Tekstistus | A 12.930:

Metaandmed
Tierversuch und Tierschutz
(zur Frage der "Bivisektion")
Von

Prof. Dr. E. Bleffig

Dorpat 1933

Sonderabdruck aus der „Dorpater Zeitung", 1933.

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Verlag des Verfassers.

K. Mattiesens Buchdruckerei Ant.-Ges., Dorpat, 1933.

Tierversuch und Tierschutz.
(An» Frage der „Vivisektion").
Von Prof. Dr. E. Blessig.
Leitsätze^).
Tierschutz ist eine kulturelle Angelegenheit.
Das
Verhalten gegen Tiere ist ein Gradmesser für die Kulturhöhe eines Volkes. Die heute lebhaft erwachende
Tierschutzbewegung ist als eine Kulturbewegung zu be­
grüßen. Die nächstliegenden Gebiete, auf denen sie
berufen ist gegen unnütze, vermeidbare Grausamkeiten
anzugehen, sind: Behandlung der Haustiere, Schlach­
tungswesen, gewisse Arten von Jagd und Fang. Dazu
kommt als ein weiteres Gebiet, an dem sie nicht vor­
übergehen kann, — der wissenschaftliche Tierversuch,
schlechtweg „Vivisektion" genannt 2). Dieses ist aber
1) Nachstehende „Leitsätze" wurden schon vor längerer Zeit
niedergeschrieben, der neueste Erlaß des preußischen Ministerpräsi­
denten, durch den nun die vielumstrittene Frage der „Vivisektion"
wieder in Fluß kommen dürfte, gibt mir willkommene Veran­
lassung sie hier zu bringen.
Der Vers.
2) Diese Bezeichnung ist irreführend. Denn nicht jeder Tier­
versuch stellt eine „Vivisektion" im Sinne eines operativen Ein­
griffs oder einer anatomischen Zergliederung am Lebenden dar.
In der überwiegenden Masse aller heute angestellte.n Versuche,
besonders im Gebiete der Bakteriologie, Serologie, Pharmako­
logie usw. handelt es sich vorwiegend um Einverleibung (meist
Injektion) verschiedener differenter, sei es krankmachender und
giftiger, fei es immunisierender und heilkräftiger, auf ihre Wir­
kung zu prüfender Stoffe. Im folgenden fei darum der Aus­
druck „Vivisektion" vermieden und durch den allgemeineren „Tier­
versuch" ersetzt.

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ein heikles Gebiet, weil einerseits der Lalenwelt viel­
fach das Verständnis für die Bedeutung, ja Unentbehr­
lichkeit des Tierversuches für die heutige Wissenschaft
abgeht 1)/ andererseits die Vertreter der experimentellen
Wissenschaften gegen jede Kritik seiner Handhabung
überaus empfindlich sind, eine solche als einen unbe­
fugten Einbruch in ihre wissenschaftliche Domäne von
vornherein ablehnen. So kann man sich allerdings
nicht verständigen. Dennoch ist einer Aussprache nicht
aus dem Wege zu gehen.
Einer solchen mögen die
folgenden Leitsätze dienen.
Vor allem sei festgestellt, daß der wissenschaftliche
Versuch am lebenden Tier ein wichtiger und wertvoller
Forschungsweg der medizinischen Wissenschaften ist, in
manchen ihrer Zweige geradezu unentbehrlich: Physio­
logie, Pathologie, Pharmakologie, Bakteriologie, Sero­
logie u. s. w. Die wichtigsten Lebensverrichtungen,
(Kreislauf, Atmung, Verdauung u. a.), Kcankheitsprozesse und Heilungsvorgänge hätten ohne solche Versuche
niemals aufgeklärt werden können. Alle die unermeßlich
segensreichen Errungenschaften auf dem Gebiete der In­
fektionskrankheiten (Schutzimpfungen, Jmmunsera u. s.w.)
wären ohne Hekatomben von Tieropfern undenkbar
gewesen. Wie wollte man auch irgendwelche neue Heil­
mittel am Menschen anwenden, ohne vorher ihre nütz­
liche oder schädliche Wirkung, ihre Dosierung und Ge­
1) Ein Beispiel dafür bietet das Büchlein des bekannten
kürzlich verstorbenen Tierfreundes und -dichters Manfred
Kyber „Tierschutz und Kultur" (S. 186—230). Seine leiden­
schaftliche Tierliebe raubt ihm tatsächlich jede Kritik und jedes
Maß in der Beschimpfung der experimentellen Medizin und ihrer
Vertreter. Im Uebrigen immerhin eine beachtliche und lesenswerte
Schrift, die neben manchen Uebertreibungen und Abschweifungen
viel Wahres und Beherzigenswertes über Tierschutz und über Er­
ziehung dazu enthält.

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fahren am Tier erprobt zu Haben? Das Tierexperi­
ment ausschalten wollen Hieße auf jeden weiteren Fort­
schritt der Medizin verzichten, ihn tatsächlich unterbinden.
Dennoch sollte der Tierversuch immer nur als eine
traurige Notwendigkeit angesehen werden, und es bleibt
die Frage berechtigt, ob seine allgemeine Anwendung
nicht doch ohne Schaden für die Menschheit einigermaßen eingeschränkt werden könnte, ob nicht der Heutige
experimentelle Betrieb immerhin einer Revision bedürftig
wäre, etwa nach folgenden Gesichtspunkten:
1) Zum Tieroersuch sollte nur dort geschritten wer­
den, wo eine wissenschaftliche Frage auf anderem Wege
nicht restlos zu lösen, vom Experiment aber bei richtiger
Versuchsanordnung ihre einwandfreie Klarstellung zu
erwarten ist.
2) Das Versuchstier darf nicht als ein „Nichts"
(sogen, „quantite negligeable“ — uns fehlt der
deutsche Ausdruck dafür —) angesehen und behandelt
werden. Die Zahl und Schwere der Tieropfer muß
gerechtfertigt sein durch die Wichtigkeit des zu erfor­
schenden Gegenstandes und den Wert der unternomme­
nen experimentellen Arbeit. Es ist nicht gleichgültig,
wofür solche Opfer gebracht werden: ob für Lebens­
fragen der Menschheit, wie etwa im Kampfe mit ver­
heerenden Seuchen, oder aber um irgend welcher an
sich bedeutungsloser Feststellung willen, die vielleicht
nur dem Experimentator interessant erscheint^). Der
heutige „Wissenschaftsbetrieb" (Liek) zeitigt neben
vielem Wertvollen auch genug solcher Arbeiten, die
ohne Schaden für Wissenschaft und Menschheit unter1) Es ist auch nicht gleich, ob ein Pasteur, ein Koch
ein Pawlow seine bahnbrechenden Versuche anstellt, oder ob
irgend ein Doktorand für ein experimentelles Thema seiner Dok­
torschrift ungezählte Tiere opfert!

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bleiben könnten, darunter auch manche experimentelle,
die solcher Opfer tatsächlich nicht wert sind.
3) Tierversuche nur zum Zwecke der Demonstration,
des Unterrichts oder der technischen Übung sind tun­
lichst einzuschränken. Wort und Bild dürften meist zur
Veranschaulichung genügen, ohne daß dieselben Ver­
suche immer wiederholt zu werden brauchten. Heute
kann auch durch Verwendung experimenteller Lehlfilme
viel an Wiederholungen qualvoller Versuche erspart
werden. Das sogen, „physiologische Praktikum" brauchte
nicht obligatorisch zum Medizinstudium zu gehören, wird
es doch auch von so namhaften Ärzten, wie Liek (1),
Schleich (2), Much (3) abgelehnt (s. u.). Der an­
gehende Arzt sollte bei seinem Studium zur Achtung
vor jedem Leben und jedem Leiden, auch des Tie­
res, erzogen werden. Er darf nicht daran gewöhnt
werden im Tier nur ein Objekt zu sehen, dessen Schick­
sal überhaupt nicht in Betracht komme.
4) Soweit irgend tunlich ohne den Versuch zu be­
einträchtigen, ist selbstverständlich allgemeine Narkose
oder Lokalanästhesie auch im Tierversuch anzuwenden.
5) Eine ebenso selbstverständliche Forderung ist tadel­
lose Unterbringung, Pflege und Behandlung der Ver­
suchstiere. Wie der rechte Jäger im Wilde die Kreatur
achtet, so sollte es der Experimentator auch in seinem
Versuchstier tun.

6) Tierversuche dürften nur in wissenschaftlichen In­
stituten resp, medizinischen Anstalten ausgesührt werden
und nur von solchen Personen, die dazu die Befugnis
vom Leiter der betreffenden Anstalt erhalten. Der In­
stitutsleiter sollte für Durchführung obiger Grundsätze
sowie für jegliche bei Tierversuchen in seinem Institut
vorkommende Mißbräuche und vermeidbare Grausam­

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fetten sich zum mindesten moralisch verantwortlich
fühlen.
7) Es wäre sehr zu begrüßen, wenn die Vertreter
der experimentellen Wissenschaften, um einer Einmischung
der Öffentlichkeit, Gesellschaft oder staatlicher Organe,
zuvorzukommen, in ihren Instituten einen vernünftigen
mit den Forderungen der Wissenschaft vereinbaren
Tierschutz selbst organisierten. Vielleicht würden sie
dann selbst gewisse Grenzen des Zulässigen finden und
manche Versuche ihrer unerhörten, geradezu strafwürdi­
gen Grausamkeit wegen unterlassen, (Non plus ultra:
die Versuche am „überlebenden" isolierten Hundekopf !)
Die innere Einstellung zum Tier überhaupt, hier
zum Versuchstier, soll eben eine andere werden. Auch
dem Tier gegenüber soll es ein Gewissen geben!

Nachstehend einige Urteile namhafter Ärzte:
1) Liek.

„D er Arzt und seine Sendung."
S. 16—17
„Was ... die Physiologie anlangt, so kann ich
nicht sagen, auch heute noch, wo 30 Jahre dazwischen
liegen, daß mir der Lehrbetrieb zusagte. Insbesondere
schienen mir viele der Tierexperimente überflüssig und
grausam.
So werde ich dies Bild nie vergessen: es
soll uns gezeigt werden, daß reichliche Zufuhr von
Sauerstoff vorübergehenden Atemstillstand
(Apnoe)
herbeisührt.
Ein junges Kaninchen wird rücklings
auf ein Brett geschnallt und nicht narkotisiert (wahr­
scheinlich nicht mehr narkotisiert) hereingebracht; in
seine Luftröhre ist eine Kanüle eingebunden, mittels
eines Blasebalgs wird nun Luft in die Lunge gebla­
sen. Es muß aber irgend ein falscher Weg entstanden
sein; denn schon nach wenigen Stößen ist das Tier

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zu einem unförmigen Ballon aufgetrieben.
Der Pro­
fessor sieht es und sagt: „Das Tier ist in einem de­
solaten Zustand".
Nun, das sahen wir allerdings.
Das Tier wird dann herausgeschafft und ist hoffentlich
schnell von seinen Qualen erlöst worden. Mag sein,
daß ich zu weich bin und die Empfindlichkeit unserer
Versuchstiere überschätze.
Mir haben aber diese Expe­
rimente, z. B. das klopfende Tierherz, das durch eine
hineingestoßene Nadel saubere Kurven auf einen Pa­
pierzylinder schreibt, immer einiges Unbehagen verur­
sacht, und wie mir, so ist es auch manchem meiner
Freunde ergangen.
Ich leugne nicht die Unentbehr­
lichkeit des Tierversuchs für die Forschung, leugne
nicht, daß aus solchen Versuchen wervolle Schlüffe
auch für die Behandlung des kranken Menschen ge­
wonnen werden.
Aber ist es wirklich nötig, daß den
Studenten diese Experiments in Massen immer wieder
vorgesührt werden? Ist ein physiologisches Praktikum
in der Form, wie wir es erlebten, für den zukünftigen
Arzt wirklich unentbehrlich?
Ich habe diese Frage
damals gefühlsmäßig verneint, heute verneine ich sie
auch mit dem Verstande.
Wenn der Frosch seine
Hinteren Extremitäten hergibt zur Darstellung des klassi­
schen Nerv-Muskelpräparats, so mag das angehen.
Aber die vielen Versuche an Kaninchen, Katzen, Hun­
den, zum Teil von ungeschickter Hand ausgeführt,
stehen mir noch in unangenehmster Erinnerung. Es
kann für einen normalen Menschen, auch wenn er
ein junger Mediziner ist, kaum ein Gewinn sein zu
sehen, wie ein curarevergiftetes Tier gelähmt wird bei
voller Erhaltung seiner Sinnesempfindungen.
Mir
scheinen solche Praktika für den Heranwachsenden
Arzt nach zwei Richtungen hin nachteilig: 1. er wird
leicht geneigt sein, das Ergebnis des Tierversuchs in
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HU weitem Umfang auf die Verhältnisse beim gesun­
den und kranken Menschen zu übertragen. Das hat
der Heilkunde und den Kranken vielfach schweren
Schaden zugefügt.
Erst jetzt sind wir dabei, uns von
der „verruchten Kaninchenmedizin" zu befreien. 2. Es
liegt die Gefahr der Verrohung unseres ärztlichen
Nachwuchses vor. Den Einwand, daß nur der ver­
rohen könne, der an sich harten Herzens sei, lasse ich
nicht gelten. Die Achtung vor dem Wander des Le­
bens und dem Verbundensein alles Lebendigen geht
leicht verloren. So mancher ehrgeizige Streber kommt
beim Anblick unnötiger und trotzdem widerspruchslos
hingenommener Tierversuche auf ben, Gedanken, sich
den harten Weg zur Höhe mit Kaninchenleibern zu
polstern. Gelegentlich hat man sogar in der mensch­
lichen Heilkunde, z. B. bei bestimmten operativen Neu­
heiten, den Eindruck, daß hier Erinnerungen an das
Nerv-Muskelpräparat wieder wach geworden sind.
Unter tun vielen kritischen Briefen, die mir die
früheren Auflagen dieses Buches ins Haus gebracht,
finden sich auch solche, die von meinen Ausführungen
eine Schädigung des Ärztestandes befürchten. Ich bin
nicht dieser Meinung. Was uns wirklich schwer schar
det, sind ganz andere Dinge. Vor mir liegt z. B. die
„Woche", Heft 26, 1926. Darin schreibt ein Professor
einen der bekannten Ausklärungsartikel: „Wie lange
kann der Mensch wachen?" Wörtlich heißt es: „So
starben Hunde, wenn man sie am Schlafen hinderte,
nach fünf Tagen, einige hielten es länger aus, bis zu
22 Tagen". Ich kenne keine abscheulicheren und grau­
sameren Tierversuche als gerade diese. Wenn ich mich
dagegen auflehne, so spreche ich nicht als Jäger, der im
Hunde seinen treuen Helfer, seinen klugen und unermüd­
lichen Gefährten liebt, ich rede nur als Mensch durch-

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schnittlicher Gemütslage. Wer soll denn noch Vertrauen
zu einer ärztlichen Wissenschaft haben, die solche über­
flüssige und unbarmherzige Experimente billigt?.."

„Besonnte Vergangenheit".
S. 118.
„Als ich dann im physiologischen Seminar ..
als Entreeakt die Enthauptung von 6 Fröschen mittels
glatten Scherenschnittes und den blitzartigen Hirnrückens
markstich (Noeud vital) bei einigen armen, gurrenden
Tauben mit ansehen mußte, da war es aus mit meiner
Begeisterung für die Medizin. Mich packte eine Wut
und ich war entschlossen, ihr für immer Valet zu sagen.
Mir schien es unmöglich, diese sinnlosen Grausamkeiten
mitzumachen. Aus Mitleid wollte ich Tor ein Arzt der
Leidenden werden, und hier stand ich entsetzt vor einer
Lehrstätte, ja einem Kultus der grausamsten Gleichgül­
tigkeit gegen Leid und Tod. Wann wird es Anatomen
und Physiologen geben, die in vollem Bewußtsein der
Fürchterlichkeit ihrer Arbeit, dem Novizen der Heilkunde
schon hier die ersten Schritte leichter machen durch
freundliches Zureden und einen besänftigenden Hinweis
auf das hohe humane Ziel, und wenigstens hier und da
einmal den Versuch wagen, so etwas wie eine Lehre
von Mitleid mit der leidenden Kreatur in die Herzen
der noch empfindsamen jungen Leute zu senken?..."
2) Schleich.

3) Huismans.
„Reaktion und Reform
in der Medizin."
Hochland 1928/29. Heft 5, S. 474.
„Die Physiologie bedarf gewisser Umformung der
Lehrweise: Ist es wirklich nötig, daß im praktischen
Kurs von Dilettantenhänden vieles nachexperimentiert
wird, während doch der Meister unter geringem Auf­

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wand von Tieren alles besser vorführen könnte?
Lieck steht auf demselben Standpunkt. Much geht
sogar so weit zu sagen: „Einige wenige Tierversuche
haben der Erkenntnis geholfen. Hunderttausende von
Tieren sind umsonst geopfert ... die meisten Tierver­
suche sind unnütz, ... sie haben ihre Berechtigung
nur für das gerade benützte Präparat mit dem augen­
blicklichen Zustand der Benützung und für die benützten
Tiere, nicht einmal für die benutzte Tierart. Exakt
ist nur der einzelne Fall (S.40). Und Much hat recht"...
Von Interesse dürfte auch in diesem Zusammenhang
der nachfolgende aus dem Jahr 1930 stammende Erlaß
des damaligen preußischen Ministeriums sein, dem un­
gefähr die gleichen Gesichtspunkte zugrunde liegen.
Erlaß
der preußischen Minister vom April 1930 in bezug auf die
Vivisektion.
„Versuche an lebenden Tieren dürfen nur zu ernsten
Forschungs- oder wichtigen Untersuchungszwecken im
Interesse der Erkenntnis, Verhütung und Heilung mensch­
licher und tierischer Erkrankungen in geeigneten Räumen
mit gutem Instrumentarium von geschulten Kräften vor­
genommen werden. Bei der Anwendung und Aus­
führung aller Versuche ist nach maßvollen und billigenswerten Grundsätzen zu verfahren; neben den Interessen
der wissenschaftlichen Forschung und Belehrung müssen
die Anforderungen der Humanität gebührende Beach­
tung finden.
In den Vorlesungen und bei wissenschaftlichen Vor­
trägen sind Tierversuche nur in dem Maßstabe statt­
haft, als dies zum vollen Verständnis des Vorgetrage­
nen notwendig ist. Um unnötige Wiederholungen von
Tierversuchen zu vermeiden, empfiehlt es sich, in gecig-

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neten Fällen solche Versuche in Filmaufnahmen festzu­
halten und die Filme an Stelle neuer Tierversuche vor­
zuführen.
Die operativen Vorbereitungen zu den Vorlesungs­
und Vortragsversuchen sind in der Regel noch vor Be­
ginn der eigentlichen Demonstration und in Abwesen­
heit der Zuhörer zu bewerkstelligen.
Tierversuche dürfen nur von den Hochschullehrern
und Anstaltsleitern oder unter ihrer Verantwortlichkeit
ausgeführt werden.
Versuche, die ohne wesentliche Beeinträchtigung des
Ergebnisses an niederen Tieren gemacht werden können,
dürfen nur an diesen und nicht an höheren Tieren
vollzogen werden.
In allen Fällen, in denen es mit dem Zwecke des
Versuchs nicht schlechterdings unvereinbar ist, müssen
die Tiere vor dem Versuche zur Aufhebung der Schmerz­
empfindung durch Anästhetika betäubt werden."
(Zitiert nach Julie Schlosser „Die unbekannten Brüder"
Berlin, Furcheverlag S. 140, 141.) 1932.

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